Warum Sprach- und Integrationsmittler?

Ein Roma-Mädchen aus Bulgarien hat starke Krampfanfälle, doch weder sie noch ihr Vater können genug deutsch, um dem Arzt die Symptome zu beschreiben. Eine genaue Diagnose ist unmöglich. Ein langes und teures Ärzte-Hopping hätte sich angeschlossen. Doch zum Glück arbeitet der nächste Arzt mit einem Sprach- und Integrationsmittler. Der Mittler sorgt dafür, dass Arzt und Patientin sich verstehen und das Mädchen wegen ihrer Epilepsie behandelt werden kann.

Ein spanischer Junge hat Probleme im Kindergarten, weil er kein deutsch spricht. Im Gespräch erreichen die Erzieherinnen die Mutter des Jungen nicht – sie spricht kaum Deutsch und misstraut den deutschen Institutionen. Eine Sprach- und Integrationsmittlerin räumt Missverständnisse aus, so dass beide Seiten gemeinsam für das Wohl des Jungen arbeiten können.

Eine Flüchtlingsfamilie ist von Armut bedroht, weil sie die Formulare zur Beantragung von Unterstützung beim Jobcenter nicht versteht.

Ein iranischer Mann irrt in der Schweiz sechs Jahre lang wegen eines Gehörschadens von Arzt zu Arzt, ohne dass ihn jemand versteht, geschweige denn ihm hilft. Der drohende Gehörverlust und das verschwundene Vertrauen in das Gesundheitssystem beeinträchtigen seine Psyche stark. Endlich wird er erfolgreich operiert – dank der Vermittlung eines kultursensiblen Dolmetschers.

Klinik, Schule Amt: Lücken in der Versorgung von Migranten

So unterschiedlich sie auch sind, eins verbindet diese Menschen: Sie stoßen auf einige der vielen sprachlichen und kulturellen Verständigungsbarrieren, die in deutschen Institutionen zwischen Fachkräften und Migranten herrschen.

Denn ob Klinik, Schule oder Amt – in Deutschland gehört die sprachliche und kulturelle Vielfalt längst zum Alltag. Sie wird in Zukunft aufgrund von demografischem Wandel, Fachkräftemangel und der Aufnahme von Flüchtlingen weiter zunehmen. Unsere Einwanderungsgesellschaft steht vor einer dringenden Herausforderung: Sie muss allen Menschen den gleichen Zugang zu medizinischen Leistungen, Arbeit und Bildung sowie Sozialversorgung bieten, egal aus welcher Kultur diese Menschen kommen oder welche Sprache sie sprechen.

Um dieser Herausforderung zu begegnen, haben wir eine neue Dienstleistung entwickelt: Die professionelle Sprach- und Integrationsmittlung.

Folgen sprachlich-kultureller Missverständnisse

 Zahlreiche Studien zeigen, dass fehlende Verständigungsmöglichkeiten den Fachkräften und migrantischen Klienten oder Patienten gleichermaßen schaden. Wo folgenreiche Entscheidungen zu treffen sind, haben Missverständnisse dramatischen Folgen für die Menschen: Eine falsche Diagnose führt zu einer überflüssigen Operation; ein Kind kommt auf die falsche Schule; ein Jugendlicher kommt unnötig ins Heim; ein traumatisierter Mensch wird nicht behandelt.

Für die Fachkräfte gilt: Verständigungsprobleme  ziehen Verfahren in die Länge, der Arbeitsaufwand steigt und damit die Kosten, zum Beispiel in der Jugendhilfe oder der Arbeitsvermittlung[1].

 In der Gesundheitsversorgung können Verständigungsprobleme laut dem Nationalen Aktionsplan für Integration der Bundesregierung (2012) zu Fehldiagnosen und falschen Behandlungen führen, die durch den Einsatz von Sprach- und Integrationsmittlern vermeidbar sind. Andere Quellen nennen längere Krankenhausaufenthalte, Behandlungsfehler und fehlende Compliance als direkte Folgen von Verständigungsbarrieren[2].

Integration und Chancengleichheit brauchen Verständigung

Wer unsere Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsysteme nicht versteht, hat hierzu keinen Zugang. Sprachliche und kulturelle Barrieren verhindern die gleichberechtigte Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund. Gegenseitiges Misstrauen, Frustration und Ablehnung der Hilfsangebote sind die Folge. Die gesellschaftliche Integration von Migranten scheitert, seien es neu kommende Fachkräfte und Flüchtlinge oder „Gastarbeiter“ der ersten Stunde.

Laiendolmetscher: Keine angemessene Strategie

Um die Verständigungslücke zu schließen, setzt man mehrheitlich Laiendolmetscher ein – Kinder, Verwandte, Reinigungskräfte oder fremdsprachige Fachkräfte. Vielerorts sollen kommunal geförderte Projekte das Problem mit ehrenamtlichen Kräften beheben. Doch in sensiblen Bereichen wie Gesundheit, Soziales und Bildung haben Verständigungsprobleme weitreichende Folgen, speziell geschulte Kräfte sind gefordert.

Denn die Anforderungen sind komplex und verantwortungsvoll – in der Jugendhilfe geht es zum Beispiel darum, ob ein Kind aus der Familie genommen wird, in der Medizin geht es um rechtsverbindliche OP-Einwilligungen. Bei solch folgenschweren Entscheidungen muss ein Mittler nicht nur verlässlich dolmetschen. Oft muss er relevante kulturelle Zusammenhänge erklären, Vorurteile und Misstrauen ausräumen, um eine reibungslose Kommunikation möglich zu machen[3].  

Ehrenamtler wie Stadtteilmütter, Integrationslotsen oder Sprach- und Kulturmittler sind mit solch anspruchsvollen Aufgaben häufig überfordert und können die nötige Qualität der Dienstleistung nicht vorhalten. Sie sind uneinheitlich und gering ausgebildet. Für Auftraggeber, die diese Personen einsetzen, herrschen weder verlässliche Qualitätsstandards noch Rechtssicherheit.

SprInt: Die professionelle Lösung

Sprach- und Integrationsmittler (SprInt) erbringen eine hochwertige, bedarfsgerechte Dienstleistung zur interkulturellen Verständigung in Klinik, Schule und Amt. SprInt-Fachkräfte sind speziell für diese Bereiche ausgebildet. Sie schaffen Verständigung, indem sie dolmetschen und interkulturell vermitteln. Ihre umfassende Qualifizierung erfolgt nach wissenschaftlichen Kriterien und bundesweiten Standards. Indem sie sprachliche und kulturelle Verständigung möglich machen, sparen SprInt Kosten und verhindern tragische Fehlentscheidungen.

Das bundesweite Netzwerk SprInt steht für die Professionalisierung, Standardisierung und bundesweite Verbreitung dieser Dienstleistung. Damit holen wir nach, was in Ländern wie der Schweiz, Österreich, Großbritannien oder den USA bereits gängige Praxis ist – wir etablieren einen neuen Beruf für die Bedarfe der Einwanderungsgesellschaft und für eine echte Willkommens- und Anerkennungskultur. 



[1] Arnold S./Timmen H.: Sprach- und Integrationsmittler in Wuppertal: Service für Verwaltungen und Unternehmen. In: „Lotsen und Mittler in der Arbeitsmarktintegration: Helfer für Behörden?!“, Dokumentation des Fachgesprächs vom 27. Mai 2011, DGB/Netzwerk IQ: S. 12-15.

[2] Muela Ribera J. et al. (2008): Is the use of interpreters in medical consultations justified? A critical review of the literature. PASS International.

Flores G. (2005): The impact of medical interpreter services on the qualität of health care: A systematic review. Medical Care Research and Review. Vol. 62, No. 3: S. 255-299.

[3] Schwarze, Antje: Qualifizierung zum/zur professionellen Sprach- und Integrationsmittler/-in. in: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.) (2009): Gesundheitliche Versorgung von Personen mit Migrationshintergrund. Dokumentation Expertenworkshop am 5. Mai 2009. Berlin. S. 131-138.